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Erdhummel retten – oder königlicher Besuch im Gewächshaus

IMG_7872-001Die ersten Hummeln sind hier unterwegs – es handelt sich dabei um Hummelköniginnen, die aus dem Winterschlaf erwacht sind. Bereits ab einer Temperatur von 2 °C werden die Hummelköniginnen munter und machen sich auf, um den passenden Ort für ein neues Hummelnest zu finden. Arbeiterinnen fliegen erst ab einer Temperatur von 6 ° C und Bienen benötigen eine Mindesttemperatur von 10 °C für den ersten Ausflug aus dem Bienenstock. Dennoch kann es vorkommen, dass Hummelköniginnen von kälteren Temperaturen überrascht werden oder erschöpft vom Ausflug auf dem Boden herum krauchen.

So muss es der Hummel ergangen sein, die auf unserer Terrasse landete und sich Richtung Tür bewegte. Als ehemalige Imkerin habe ich natürlich ein großes Herz für die stachelbewehrten Flieger und nahm das pelzige Wesen auf, um es dann auf einen Teller mit einem Klecks Honig zu verköstigen. Sofort tauchte die Hummel ihren Saugrüssel in den Honig und ließ es sich schmecken. Damit sie die Nacht überlebt, setzte ich die Hummelkönigin in ein verschlossenes Zimmergewächshaus (natürlich mit Lüftungsöffnungen). Am nächsten Morgen verabschiedete sich der königliche Besuch brummend und sichtbar kräftiger in die Freiheit.

Hummeln als wichtige Pflanzenbestäuber im Frühjahr

Noch bevor die Honigbiene ihren warmen Bienenstock verlässt, fliegen die Hummeln, um den ersten Pollen zu sammeln und bestäuben somit die ersten frühblühenden Pflanzen. Ein wichtiger Pollenlieferant ist der Haselnussbaum und die Weide mit ihren „Kätzchen“. Daher ist es besser, Haselnuss und Weide erst nach der Blüte zu schneiden. Wer selbst eine erschöpfte Hummel findet, kann nach oben beschriebener Methode Hummeln und auch Bienen helfen, wieder zu Kräften zu kommen. Erschöpfte Hummeln stechen nicht, dafür fehlt ihnen die Kraft und solange sie nicht gequetscht werden, würden sie ohnehin nicht stechen. Das gleiche gilt für Bienen.

Hummelnest im Garten – was tun?

Etwa 16 Hummelarten stehen mittlerweile auf der Roten Liste für bedrohte Arten. In Nordrhein-Westfalen gelten einige Arten bereits als ausgestorben. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Hummeln, neben Wildbienen und Hornissen, durch das Bundesnaturschutzgesetzt besonders geschützt werden. Wer also ein Hummelnest im Garten findet, hat eigentlich Grund zur Freude. Es ist aber auch verständlich, dass man sich Sorgen macht, besonders wenn Kinder oder Haustiere in der Nähe des Nestes spielen. Sollte das Hummelnest eine Gefahr darstellen, so kann ein Schädlingsbekämpfer, auch wenn er nach dem Namen nach nicht die geeignete Person zu sein scheint, helfen. Er wird das Nest vorsichtig entfernen und umsetzen. Ist das Hummelnest an einer Stelle, die man umgehen kann, so sollte man es dort lassen. Im Herbst geht ein Hummelnest natürlicherweise zugrunde, nur die Hummelkönigin wird überwintern und im Frühjahr ein neues Volk gründen. Der Besuch der Hummeln ist also zeitlich begrenzt! 😉

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